Armon Orlik ist Schwingerkönig!
- medien47
- 31. Aug. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Sept. 2025
Grösstmöglicher Erfolg für den Bündner Schwingerverband: Armon Orlik wird Schwingerkönig. Christian Biäsch gewinnt seinen ersten Eidgenössischen Kranz.

von Patrick Casanova
Das Eidg. Schwing- und Älplerfest in Mollis wird in die Bündner Sportgeschichte eingehen. Mit dem Maienfelder Armon Orlik gewinnt erstmals ein Bündner die Krone. Die Dramaturgie des Anlasses ist dabei nicht zu übertreffen.
Der Reihe nach: Im Anschwingen bezwang Orlik mit Matthias Aeschbacher den Schlussgangteilnehmer des letzten ESAF 2022 in Pratteln. Im siebten Duell mit dem routinierten Emmentaler behielt Orlik zum dritten Mal die Oberhand, die Entscheidung fiel am Boden. Eine schnelle Maximalnote gab’s für Orlik im Anschluss gegen den Luzerner Teilverbandskranzer Roman Wandeler, ehe gegen den Baselbieter Eidgenossen Lars Voggensperger etwas mehr Geduld gefragt war. Nach gut vier Minuten drückte der Maienfelder aber auch diesen Kontrahenten ins Sägemehl, allerdings ohne Maximalnote. Zum Abschluss des ersten Tages traf der Maienfelder auf Schwingerkönig Joel Wicki, der ebenfalls mit drei Siegen startete. Das elfte Aufeinandertreffen der beiden Ausnahmekönner war von Taktik geprägt, ein Remis die nicht unerwartete Folge. Zur Festhälfte lag Orlik so auf Rang 5.
Mit Steven Moser machte Orlik am Sonntagmorgen kurzen Prozess, nach 15 Sekunden lag der Freiburger im Sägemehl. Gegen den Eidgenossen Matthias Herger holte sich Orlik danach die nächste Zehn und ging so punktgleich mit Werner Schlegel als Punkteführender in den Kranzausstich.
Ohne Schlussgangteilnahme zum Titel
In den Duellen um den Schlussgang stellte erst Orlik mit Michael Moser, danach auch Werner Schlegel mit Joel Wicki. Das Nordostschweizer Trio Orlik, Giger und Schlegel lag nun punktgleich gemeinsam vorne – die Einteilung musste entscheiden, welches Duo den Schlussgang bestreiten darf. Die Entscheidung fiel auf Giger und Schlegel, Orlik duellierte sich zum Abschluss mit Pirmin Reichmuth. Durch eine Maximalnote sicherte sich Orlik bereits vor dem Schlussgang mindestens Rang 1b und den Titel des «Erstgekrönten». Nach dem gestellten Schlussgang kam noch eine Stufe dazu - Orlik wurde als Punktebester zum neuen König ausgerufen. Der Maienfelder zeigte sich im Platzinterview entsprechend überwältigt, er betonte kameradschaflich aber sogleich auch die Wichtigkeit der funktionierenden Nordostschweizer Teamarbeit.
Biäsch mit Eichenlaub
Es gab aus Bündner Sicht noch mehr Grund zum Jubeln: Erstmals seit zwölf Jahren sicherte sich der Kantonalverband dank Christian Biäsch wieder zwei Eidg. Kränze. Nach seiner bisher stärksten Saison durfte der Davoser seine vierte ESAF-Teilnahme zuversichtlich angehen. Den Erwartungen wurde er denn auch gerecht, mit dem Kranzgewinn belohnte sich der nun 26-fache Kranzgewinner für die kontinuierliche Aufbauarbeit der letzten Jahre. Über 40 Jahre nach Andreas Ambühl, der 1980 und 1983 zweimal Eidg. Eichenlaub gewann, zählt der Schwingerverband Davos mit dem 29-Jährigen wieder einen Eidgenossen in seinen Reihen.
Zum Auftakt stellte Biäsch mit dem Seeländer Eidgenossen Florian Gnägi. Nach Siegen gegen den Luzerner Ivan Felder sowie den routinierten Baselbieter Roger Erb traf der sechsfache Saisonkranzer zum Abschluss des Samstagprogramms auf den Simmentaler Eidgenossen Patrick Gobeli. Biäsch gewann die Paarung und fand sich zur Halbzeit inmitten der Spitze auf Rang 4 wieder.
Gegen Michael Moser bezog Biäsch am Sonntagmorgen die erste Niederlage. In der darauffolgenden Paarung mit Melchior Huber war Biäsch aktiver, musste den Haslitaler aber stehen lassen. Mit einem raschen Erfolg gegen den Luzerner Elias Lüscher kam Biäsch dem Kranz schon sehr nahe. Nach der abschliessenden Punkteteilung gegen den Zuger Luca Müller durfte sich Biäsch dann vor der Nordostschweizer Kurve gebührend feiern lassen. 74,75 Punkte reichten für Rang neun.
Müller im Ausstich
Mit einer Punkteteilung gegen den Berner Oberländer Fabian Schärz startete der Zilliser Josias Müller in sein erstes «Eidgenössisches». Gegen den Nidwaldner Christoph Waser kam Müller danach in der letzten Minute zum Sieg, ehe er dem Zuger Eidgenossen Marcel Bieri unterlag. Mit einem zweiten Sieg gegen den US-Schweizer Peter Ming qualifizierte sich das Mitglied des SC Heinzenberg im vierten Gang sicher für den Ausstich. Mit dem Berner Sandro Galli teilte sich der 19-Jährige am Sonntagmorgen die Punkte, ehe er dem Zuger Christian Bucher unterlag. Mit 54,00 Punkten endete die ESAF-Premiere Müllers nach sechs Gängen.
Lötscher und Jörger mit vier Gängen
Lange Zeit schien ungewiss, ob Niklas Lötscher nach seiner Ende Juni erlittenen Verletzung rechtzeitig auf den Saisonhöhepunkt ins Sägemehl zurückkehren kann. Der 19-Jährige gewann schliesslich den Wettlauf mit der Zeit und kam zu seiner ESAF-Premiere. Mit einem Sieg gegen den Luzerner Roman Bucher startete Lötscher optimal ins Fest. Mit Reto Fankhauser folgte gleich der nächste Luzerner Gegner, dem Teilverbandskranzer unterlag der Untervazer rasch. Nach zwei weiteren Niederlagen gegen Andy Murer und Roger Erb endete das Fest für Lötscher mit 35,25 Punkten am Samstagabend.
Am Ende einer für ihn schwierigen Saison bestritt auch der Emser Marc Jörger in Mollis nur vier Gänge. Der Routinier musste sich zum Auftakt dem Berner John Grossen geschlagen geben, auch der zweite Gang gegen Lukas Heinzer ging verloren. Nach dem Samstagmittag bezwang der 14-fache Kranzgewinner den Freiburger Janis Wieland und wahrte sich damit die Chance auf eine Qualifikation für den zweiten Wettkampftag. Nach einer Niederlage gegen Teilverbandskranzer Elias Pirkheim endete Jörgers dritte ESAF-Teilnahme dann aber vorzeitig, er resultierte gleich wie Lötscher 35,25 Punkte.
Nicht zum Einsatz kam der Prättigauer Elia Mayer, der als Ersatzschwinger des NOS-Teams mit ins Glarnerland reiste.
